Die Paneele wurden in einer unbenutzten Werkhalle auf dem Novartis Campus zusammengesetzt.
Publiziert am 26/05/2022
Beat Grossniklaus beugt sich über eines der rund 10000 Paneele, die in Zukunft das Dach des Novartis Pavillon schmücken werden. Der erfahrene Vorarbeiter der Basler Technologiefirma iart schraubt eine der rhombusartigen Platten auf ein speziell dafür entwickeltes Stahlgerüst, das die idiosynkratische Form des Pavillons nachzeichnet.
Jedes einzelne Paneel sowie das Stahlkonstrukt, auf dem die Einzelelemente angebracht sind, ist auf die Dachform abgestimmt und wird in Zukunft nicht nur garantieren, dass das Gebäude mit Strom versorgt wird, sondern auch mit der Stadt kommuniziert. Denn die Paneele haben eine Doppelfunktion: Sie produzieren Strom, und auf jedem einzelnen sind LED-Lichter aufgeschraubt, die in Zukunft für dezente Lichtspiele eingesetzt werden.
«Die Paneele sind eine Innovation, die iart eigens für den Novartis Pavillon entwickelt hat», erklärt Grossniklaus, der mit seinen Kollegen in einer geräumigen Lagerhalle auf dem Campus die anstehenden Arbeiten verrichtet. «Eine solche Medienfassade gibt es sonst noch nirgendwo auf der Welt – eigentlich ist es ein Experiment.»
Media-Mesh
Das Netzwerk, das iart als Media-Mesh bezeichnet, besteht aus einem komplexen tragenden Stahlgerüst, organischen Fotovoltaikpaneelen (OPV) und LED-Units, die nur so viel Strom verbrauchen, wie die Solarpaneele selbst produzieren – eine sogenannte Nullenergie-Medienfassade.
Die Paneele sind in das eigens für dieses Projekt entwickelte Stahlkonstrukt eingefügt. Dieses hält die Elemente an Ort und im Abstand von rund 40 Zentimetern zum eigentlichen Blechdach, das damit auch als Reflexionsfläche für das Kunstlicht dient. Das Konstrukt integriert überdies die nötige Verkabelung, durch die der Strom und die Signale fliessen und die Lichter so miteinander verbindet, dass sie künftig von Künstlerinnen und Künstlern zur Bespielung des Pavillons mit Lichtanimationen genutzt werden können.
Reto Weljatschek, der für das Projekt verantwortliche Industriedesigner bei iart, hat die Medienfassade konstruiert: «Zuerst ging es um Grundsatzfragen: Wie viele der frei formbaren OPV-Elemente sollen auf jedem Fassadenabschnitt Platz finden, beziehungsweise wie viele LEDs werden benötigt, um Texte im unteren Bereich anzeigen zu können? Und: Was sind die besten Proportionen für die 480 grossen Rhombenelemente, die heute insgesamt über 10000 OPV-Zellen tragen?»
Weljatschek entwickelte fünf verschiedene Rhombenformen für verschiedene Positionen an der gebogenen Gebäudehülle. Sie bestehen wiederum aus 102 unterschiedlichen Rohrelementen und werden von 30 verschiedenen Knotentypen zusammengehalten. All diese Elemente wurden nicht verschweisst, sondern verschraubt, sodass sie während der Vormontage, der Montage und auch im Betrieb flexibel zu handhaben sind.
Die letztlich homogene zweite Haut des Pavillons besteht also aus unzähligen passgenauen Einzelteilen, die von iart eigens entwickelt wurden. Das tragende Stahlgerüst bestehe, so Weljatschek lächelnd, «aus einer ganzen Familie von Mesh-Elementen».
Für die Montage an der Fassade wurden grössere Mesh-Elemente zu je 16 Paneelen vormontiert, getestet und anschliessend mit dem Kran auf das Dach gehievt, wo sie von einem Spezialisten-Team angebracht wurden.
Das Entwicklungsteam von iart liess sich bei der Konstruktion der Paneele von Zellstrukturen inspirieren: «Die Idee war, den Pavillon als Organismus zu sehen, was sowohl an der Form als auch an den später darauf laufenden Lichtbespielungen zum Ausdruck kommen soll», erklärt Christian Reimann, der das Projekt auf der Seite von iart führt.






