Die Zellbiologin Jennifer Allport-Anderson, die ein Team für Herzinsuffizienz und In-vivo-Pharmakologie leitet, auf dem Weg zur Arbeit. In Ihrem Büro, in einem der neuen Gebäude der Novartis Institutes for BioMedical Research (NIBR) in Cambridge, Massachusetts, prüft sie die letzten Forschungsergebnisse.
Als Jennifer Allport-Anderson ihre Forschungskarriere begann, hatten Beruf und Privatleben kaum Berührungspunkte. Einerseits waren da der Ehemann und die wachsende Familie, andererseits das Labor, wo sie die Biologie und das Verhalten von Zellen untersuchte. Doch es sollte anders kommen.
Jennifer Allport-Anderson leitet heute als Zellbiologin zusammen mit William Chutkow ein Team für Herzinsuffizienz und In-vivo-Pharmakologie der Novartis Institutes for BioMedical Research (NIBR) in Cambridge, Massachusetts, in den USA. Sie beschreibt die Zellen, die sie untersucht, fast wie Akteure in einem Theaterstück: „Ich tendiere dazu, Zellen zu vermenschlichen, und stelle mir gernevor, wie sie ihrer Arbeit nachgehen“, sagt sie selbst.
Vor dreizehn Jahren begannen sich ihre beiden Lebensbereiche zu vermischen. Als ihr Schwager Scott 2003 mit Anfang vierzig einen schweren Herzinfarkt erlitt, lief das „Schauspiel der Zellen“, das sie untersuchte, plötzlich in ihrer eigenen Familie ab.
Ein Jahr darauf kam Jennifer Allport-Anderson zu den NIBR, um neue Medikamente für Krankheiten wie Herzinsuffizienz mitzuentwickeln.
Auch in ihrem Privatleben spielten solche Medikamente eine immer wichtigere Rolle. Ihre Schwiegermutter verstarb im Alter von 77 Jahren vermutlich an den Folgen von Herzrhythmusstörungen oder einem Schlaganfall, nachdem sich ihre Gesundheit rapide verschlechtert hatte. Im Jahr 2005 wurden bei ihrem Ehemann Keith Bluthochdruck und eine Vorstufe von Diabetes diagnostiziert.
Anderson und ihr Mann beschlossen, ihre Lebensweise zu verändern. Sie wollten so weit wie möglich dafür sorgen, dass ihre beiden Töchter gesund und mit gesunden Eltern aufwachsen konnten. Ihr Mann begann eine Diät einzuhalten, sie selbst achtete
fortan auf eine gesunde Küche und gemeinsame Mahlzeiten für die Familie. Ausserdem fing sie an zu joggen. Innerhalb weniger Jahre verlor ihr Mann fast 60 Kilogramm Gewicht, und sie nahm bis heute an fünf Marathonläufen teil.
Jennifer Allport-Anderson hat in beiden Lebensbereichen, in denen sie mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun hat, eine Lösung gefunden. Zuhause begegnet sie dem Thema mit viel Bewegung und gesunder Ernährung. In ihrer Arbeit widmet sie sich frühen Forschungsarbeiten zu neuen Therapien.
Herzinsuffizienz ist eine komplexe Erkrankung. Die ihr zugrunde liegenden Ursachen können bei den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich sein. Wissenschaftler wie Jennifer Allport-Anderson und ihr Team arbeiten daran, die zellulären Mechanismen der Krankheit aufzudecken und neue Behandlungsstrategien zu finden. Ihre Arbeitsgruppe interessiert sich vor allem für zelluläre Signalwege, die für Herzinsuffizienz verantwortlich sind. Dabei suchen die Wissenschaftler auch nach Möglichkeiten, in diese Signalwege einzugreifen. Dabei arbeitet das Team an mehreren Projekten gleichzeitig, unter anderem an einem Wirkstoff zur Behandlung der akut dekompensierten Herzinsuffizienz.
An einem Frühlingsabend versammelt sich Jennifer Allport-Andersons ganze Familie in ihrem Haus in einem Vorort von Boston, um gemeinsam das „Kentucky Derby“, ein Pferderennen, im Fernsehen zu verfolgen.
Aus Sicht der Forscherin gleicht das Fernsehzimmer einem Forschungslabor für Herzkrankheiten. Die vor dem Fernseher versammelten Erwachsenen sind alle wegen verschiedener Krankheiten in Behandlung, von Herzkrankheiten bis Diabetes. Ihre beiden Töchter, die aktive Wettkampfschwimmerinnen sind, scheinen dieses Muster zu durchbrechen. Die zehnjährige Corinne ist fast immer in Bewegung. Sogar beim Fernsehen macht sie zwischendurch Liegestütze mit Händeklatschen. Jennifer Allport-Anderson selbst ist an diesem Morgen bei einem Halbmarathon mitgelaufen. Sie hat sich vorgenommen, Herzkrankheiten an allen Fronten zu bekämpfen. Und dabei ist es entscheidend, aktiv zu werden – zuhause und im Labor.