«Ungestellte Schwarz-Weiss-Porträts. Das bringt bei Fotos ein Element hervor, das mir persönlich besonders gefällt. Die Wirkung einer Aufnahme stützt sich dann ganz auf das Motiv und die Komposition.»
«Ungestellte Schwarz-Weiss-Porträts. Das bringt bei Fotos ein Element hervor, das mir persönlich besonders gefällt. Die Wirkung einer Aufnahme stützt sich dann ganz auf das Motiv und die Komposition.»
London, 2016.
Martin Vogt ist eher ein ruhiger Typ. Als erfahrener Wissenschaftler bei den Novartis Institutes for BioMedical Research tauchte er auf der Suche nach neuen Wirkstoffen tief in die Geheimnisse der Biologie und der Chemie ein. Als diplomierter Chemielaborant weiss er, dass geringste Veränderungen an der Struktur eines Moleküls wesentliche Auswirkungen auf dessen Funktion haben können. Gleichzeitig ist ihm auch schmerzhaft bewusst, dass das grosse Ziel, ein neues Medikament zu entwickeln, allen Bemühungen zum Trotz stets scheitern kann.
«In der pharmazeutischen Forschung liegt das Ziel oft Jahre entfernt oder wird in manchen Fällen nie erreicht. Durch diese ständige Herausforderung habe ich gelernt, dass der Weg zum angestrebten Ziel ebenso wichtig ist wie das Ziel selbst», erklärt mir Martin Vogt bei unserem Treffen in Basel.
Diese Zen-artige Einstellung scheint Vogts ganzes Wesen zu prägen. Gleich bei unserer ersten Begegnung fiel mir auf, dass er sich auf unsere kurze Unterredung sehr gut vorbereitet hatte. Er kam mit zwei schwarzen Kartons unter dem Arm, die ordentlich mit weissen Gummibändern verschnürt waren, und wirkte wach und mitteilsam. Er wollte über seine Leidenschaft für die Fotografie sprechen und mir seine besten Arbeiten der vergangenen Jahre zeigen.
Erstmals hatte ich 2014 ein Bild von Vogt gesehen, als Novartis im Rahmen der Kampagne «Long Live Life» einen Fotowettbewerb veranstaltete. Die Bilder, die er dafür ausgewählt hatte, hoben sich sofort von der Flut an Fotos ab, die Tausende andere Mitarbeitende von Novartis eingereicht hatten.
Vogts Serie bestand aus mehreren Schwarz-Weiss-Fotos, die er 2013 während einer Indienreise aufgenommen hatte. Keines seiner Fotos entsprach den gängigen Klischees, wie sie von den meisten Amateuren (mich selbst eingeschlossen) zu erwarten wären, die auf Reisen in exotische Urlaubsländer unvergessliche Momente festhalten wollen. Kein Taj Mahal, keine überfüllten Bahnhöfe, keine Verkehrsstaus.
Vogt meidet das Offensichtliche, Einfache. Sein Blick konzentriert sich darauf, intensive persönliche Augenblicke festzuhalten, etwa wie ein Mann aus dem Zugfenster heraus Ausschau nach einem Freund hält oder ein Junge mit seiner Schultasche durch eine heruntergekommene Seitenstrasse geht.







