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Travels in medicine
Von der Natur lernen.
Die Heilkraft der Pflanzen
Als junger Student kam Edmund Ekuadzi zu Novartis, um im Rahmen eines Austauschprogramms, mehr über Naturstoffe und ihre chemischen Komponenten zu erfahren. Heute nutzt er das Gelernte, um die Forschung in Afrika voranzutreiben. Seine Erfahrung zeigt, wie wichtig Austausch und Vernetzung – zwei Grundpfeiler des Pavillon – für die Entwicklung eines starken Gesundheitssystems sind.
Text von Clifford Osafo Asare, Fotos von Andrea Bruce.
Der eine ist ein Fachmann in traditionellen Heilverfahren, der auf einen seit Jahrhunderten überlieferten Wissensschatz über die medizinischen Eigenschaften bestimmter Wurzeln und Blätter zurückgreift. Der andere, Edmund Ekuadzi, ist Forscher und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die wissenschaftlichen Grundlagen dieser uralten Weisheiten zu erforschen.
Während seiner Zeit bei Novartis sammelte Edmund Ekuadzi wichtige technische Einblicke, die für seine Arbeit in Afrika von großer Bedeutung sind.

Edmund Ekuadzi ist in Ghanas Hauptstadt Accra aufgewachsen und Experte auf dem Gebiet der Pharmakognosie, der Lehre von Arzneimitteln, die aus Pflanzen und anderen natürlichen Quellen gewonnen werden. Pflanzen bilden seit langer Zeit die Grundlage unzähliger Medikamente. Beispiele sind unter anderem die Weide als ursprüngliche Quelle für Aspirin; der Mohn, aus dem das Schmerzmittel Morphin gewonnen wurde, und der Chinarindenbaum, aus dem über lange Zeit das Malariamedikament Chinin hergestellt wurde.
Blätter des Chinarindenbaums.

Das Vertrauen der traditionellen Pflanzenheilkundler zu gewinnen, die sich von der Wissenschaft in ihrer Existenz bedroht fühlen, ist Edmund Ekuadzis grösste Herausforderung. Er muss sie erst davon überzeugen, ihm die Pflanzen zu zeigen, mit denen sie unterschiedlichste Leiden behandeln. Danach analysiert er Proben in seinem Labor in der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi, Ghana.
Ekuadzi war der Erste, der den in der Landessprache „Saa-wawa“ genannten Strauch untersuchte, eine Pflanze aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Sie wird in Westafrika als Allheilmittel bei Verletzungen und Verbrennungen bis hin zu Schlangenbissen und Gelbsucht eingesetzt. In seiner Analyse konnte er verschiedene Substanzen isolieren, die für die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung der Pflanze verantwortlich sind.
Derartige Forschungsarbeiten liefern Eckdaten, um die Qualität von Arzneimitteln zu beurteilen, die aus Pflanzen gewonnen werden. „Diese Arzneimittel sind wichtig für die Menschen in Ghana, wo wir uns gerade darum bemühen, medizinische Versorgung für alle zu ermöglichen“, betont Edmund Ekuadzi.
Ghanas Dschungel ist zugleich Naturwunder und Schatzkammer für Heilpflanzen.





Die ersten Meter in den Dschungel sind leicht. Doch je tiefer man in den Wald eindringt, desto unverzichtbarer wird die Machete, um sich einen Weg durchs Grün zu bahnen.
Eduard Ekuadzi bereitet zusammen mit einem lokalen Arbeiter im Dschungel eine wissenschaftliche Probe vor.
Die gesammelten Blätter dienen später der wissenschaftlichen Analyse.
Die jungen Blattaustriebe können andere Wirkstoffe enthalten als die reifen Blätter.
Eine geeignete Laborausstattung ist für Ekuadzi und sein Forschungsteam von zentraler Bedeutung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Dabei besteht die vielversprechende Aussicht, dass er eines Tages vielleicht einen Wirkstoff entdeckt, der in der Wissenschaft noch unbekannt ist und die medizinische Praxis verändern könnte.
Ein solcher Durchbruch gelang in den 1970er Jahren, als Wissenschaftler eine Pflanze untersuchten, die chinesischen Pflanzenheilkundlern seit Jahrtausenden als Malariaheilmittel bekannt war. Artemisinin bildet heute die Grundlage für Kombinationstherapien, wie zum Beispiel Coartem von Novartis, die weltweit an erster Stelle gegen Malaria eingesetzt werden.
Edmund Ekuadzi erhielt Unterstützung von Novartis,als er 2012 im Rahmen des Next- Generation-Scientist-Programms des Unternehmens ein Praktikum absolvierte. Das Programm soll die wissenschaftlichen und medizinischen Fähigkeiten von Postgraduierten und Ärzten aus Schwellenländern fördern und sie mit Fertigkeiten ausstatten, die ihnen und ihrem Umfeld nach ihrer Rückkehr zugutekommen.
Hauptgebäude der Abteilung für Pharmakologie an der University of Ghana.

Ekuadzi ist einer von mehr als 100 Wissenschaftlern aus 21 Ländern, die an dem Programm teilgenommen haben. Dabei konnte er seine Kenntnisse in bestimmten Verfahren wie der Massenspektrometrie weiterentwickeln, mit denen er die molekulare Struktur von Pflanzen analysieren und Substanzen mit therapeutischer Wirkung isolieren kann.
Seine neu gewonnenen Fähigkeiten setzt er mittlerweile an der Universität in Ghana ein, wo er Pharmakognosie lehrt und als stellvertretender Laborleiter arbeitet.
Afrikas akademische Ambitionen sind hoch.



Der Zugang zur Abteilung von Ekuadzi ist leicht zu finden.
Auch wenn die Anzahl der Studierenden noch begrenzt ist, könnte die Naturpflanzenmedizin auf großes Interesse stoßen, sollte Ekuadzis Arbeit spürbare Ergebnisse liefern.
Das üppige Grün des Campus der University of Science and Technology in Kumasi sorgt für eine freundliche und einladende Umgebung.
Und er analysiert auch weiter heimische Pflanzen, die in Ghana seit Generationen zur Behandlung der Menschen eingesetzt werden und die eines Tages auch Patienten in weit entfernten Ländern helfen könnten.


