Die Pforte an der Klybeckstrasse 141 in Basel, deren nicht immer gut gelauntes Personal tagtäglich hunderte von Mitarbeitenden begrüsste, ist längst verwaist. Mittlerweile hat die elektronische Zutrittskontrolle seine Aufgabe übernommen. Es ist ein Zeichen der Zeit. Klybeck, wo im 19. Jahrhundert die Farbstoffproduktion ihren Anfang nahm und in den letzten 100 Jahren Chemie- und Pharmaunternehmen die Oberhand hatten, definiert sich neu, nachdem Novartis das Areal an Stadtentwickler verkauft hat, die Start-ups und Privathaushalte anziehen wollen.
Zu den Neuankömmlingen zählt neben Künstlern, kleinen Manufakturen und Biotech-Unternehmen auch das Institut für molekulare und klinische Ophthalmologie Basel, das in ein siebenstöckiges Gebäude aus den frühen 1970er-Jahren eingezogen ist. Ins Leben gerufen wurde das IOB im Jahr 2017, als Botond Roska, ein ehemaliger Forscher am Friedrich-Miescher-Institut, die Organisation mitgründete. Der Neurowissenschaftler Tamas Szikra, der seitdem für das Institut tätig ist, war an der Ansiedlung des IOB vor rund sechs Jahren massgeblich beteiligt, nachdem die Gruppe zuvor einen Standort auf dem Novartis Campus eröffnet hatte. Die ersten Tage waren voller Spannung. «Wir füllten einen Lastwagen mit unserer Laborausrüstung, die wir vom FMI gekauft hatten, und fuhren vom Standort Rosental auf die andere Rheinseite», erinnert sich Szikra an den ersten Umzug auf den Campus. «Bald darauf zogen wir ins Klybeck.» Ihr neues Zuhause wurde das Gebäude WKL-420 – WKL steht für «Werk Klybeck» – das ursprünglich als Qualitätssicherungseinrichtung für die Ciba diente und Labors und Archive umfasste. Als Szikra das Gebäude zum ersten Mal besuchte, war er beeindruckt vom umfangreichen Papierarchiv und den zahlreichen Chemielabors – eindeutig Hinterlassenschaften einer anderen Epoche. Heisse Tage und festsitzende Aufzüge Der Umzug vom Novartis Campus an den Standort im Klybeck fand mitten in der Pandemie statt. «Anfang 2019 begann der Umbau unseres neuen Standorts, und im September desselben Jahres konnten die ersten Mitarbeitenden die Etagen 3 bis 6 beziehen», erzählt Szikra.
Der Neurowissenschaftler Tamas Szikra war massgeblich daran beteiligt, das IOB zum Laufen zu bringen.
Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das IOB, das mit einem kleinen Team um Co-Direktor Botond Roska begonnen hatte, bereits rund 60 Mitarbeitende und plante, weiter zu wachsen. «Wir schätzten uns glücklich, dass wir am neuen Standort noch Platzreserven hatten, die wir dann Etage für Etage ausbauen konnten», erinnert sich Szikra. Es war jedoch eine Herausforderung, das ehemalige Chemie- und Archivgebäude so zu renovieren, dass es die hohen Anforderungen von Biosicherheitslabors erfüllt. «Besonders die Lüftung und Klimatisierung hat meinem Team und mir in den ersten Jahren schlaflose Nächte beschert», fügt Szikra hinzu. Die Anspannung von damals ist noch deutlich in seiner Stimme zu hören. Die warmen Sommer stellten uns vor besondere Schwierigkeiten: «In den ersten zwei Jahren nach dem Umzug ging ich bei den sommerlichen Hitzewellen jeden Abend um 22 Uhr ins Institut, um alle Fenster zu öffnen und anschliessend Eiswürfel vor die Ventilatoren zu stellen. Um 6 Uhr ging ich dann wieder hin, um alles zu schliessen, in der Hoffnung, dass uns diese Massnahmen und die damals noch recht rudimentäre Klimaanlage durch die heissen Tage bringen würden», erklärt er.
Nachdem die Lüftungs- und Kühlsysteme repariert waren, kämpfte das Team mit den Aufzügen. «In der Anfangsphase hatten wir praktisch jede Woche Besuch von der Werkfeuerwehr, die jemanden aus dem Aufzug retten musste», erinnert sich Szikra, während er mich durch das Gebäude führt. Der Aufzug war so alt, dass nicht einmal die Fachleute des Herstellers wussten, wie er zu reparieren war. Nach langen Verhandlungen mit Swiss Life, dem neuen Eigentümer des Gebäudes, konnte schliesslich ein moderner Aufzug eingebaut werden.» Moderner Arbeitsplatz Solche hektischen Tage sind längst Vergangenheit. Heute geniessen die Mitarbeitenden von der Dachterrasse im siebten Stock, zu der auch eine Cafeteria und Konferenzräume gehören, einen herrlichen Blick über die Stadt Basel. Von dort führt mich Tamas Szikra Etage für Etage durch das Gebäude. «Die sechste Etage bietet Arbeitsplätze für mehr als 60 Personen», erklärt Szikra. «Die Arbeitsplätze waren von Anfang an als offener Raum konzipiert. Unsere Mitarbeitenden bewegen sich zwischen den Labors in den unteren Etagen und den Büros auf dieser Etage, so dass immer genug Platz für alle da ist.»
In den unteren Etagen unterhält das IOB eine Reihe von Spitzenlabors mit massgefertigten Mikroskopen und Analyseinstrumenten, die den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen, die Funktionsweise des gesunden und des kranken Auges zu erforschen. Ungenutzt ist lediglich noch die zweite Etage. Sie wird für zukünftiges Wachstum vorbehalten. Hier ist die einstige Ciba-Atmosphäre noch spürbar. «Beim Umbau haben wir so viel wie möglich von der ursprünglichen Laboreinrichtung behalten, um Kosten zu sparen», sagt Szikra und zeigt auf die Schränke und Möbel. Nicht perfekt, aber zweckmässig Auch wenn der Bau nicht perfekt ist, freut sich Szikra darüber, wie das IOB das Gebäude K-420 umfunktionieren konnte und dass es den Forscherinnen und Forschern nun bietet, was sie für ihre Arbeit benötigen. Einige von ihnen haben sogar Nischen gefunden, in denen sie sich wie im Homeoffice fühlen.
Kunst an der Wand.
«Besonders stolz sind wir auf die Möglichkeit, alle Kompetenzen in einem Gebäude auf kleinem Raum zu vereinen: von der Molekularbiologie über die Zellbiologie bis hin zu Elektrophysiologie und Modellierung, unter Einbezug translationaler und klinischer Aspekte», so Szikra. «Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen Kliniker und Biologen, Ingenieure und mathematische Modellierer so eng zusammenarbeiten, um neue Therapien gegen den Sehkraftverlust zu entwickeln», fügt er hinzu. Für die Klybeck-Stadtentwickler, wo Produkte wie das Ferrarirot, Voltaren, Glivec und Araldit entstanden, ist die Ansiedlung des IOB ein gutes Zeichen für die Zukunft des Quartiers: Innovative Geister, jetzt auch aus dem Biologiebereich, werden nach wie vor von diesem Ort angezogen.
Wissenschaft Klybecks neue Mieter.
Fit für die Zukunft 2019 bezog das Institut für molekulare und klinische Ophthalmologie Basel (IOB) ein altes Ciba-Gebäude und belebte somit das Klybeck-Quartier – einst das weitläufige Zentrum der chemischen Industrie in der Schweiz. Das Gebäude mag zu Beginn nicht ideal gewesen sein, ist aber heute fit für die Zukunft, nicht zuletzt dank Tamas Szikra. Text von Michael Mildner, Fotos und Videos von Laurids Jensen und Moritz Schermbach.
Das alte Empfangshaus wurde in der Zwischenzeit abgerissen.
Das IOB hat noch nicht alle Stockwerke bezogen.
Raum für Individualität ist beim IOB gewährleistet.
Blick über das Klybeck und Basel.
Im zweiten Stock des Gebäudes verfügt das IOB noch über einige Reserveflächen, die derzeit mit Überresten aus der Zeit von Ciba-Geigy vollgestopft sind.
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