Das sehen auch die professionellen Arealentwickler von Rhystadt und Swiss Life so. Stück für Stück soll hier die Stadt weiterentwickelt und Altes mit Neuem in Einklang gebracht werden. So soll auch das 1966 fertiggestellte 75-Meter-Hochhaus von Suter + Suter, in dem in den letzten Jahrzehnten intensiv Forschung betrieben wurde und auf dessen Dach früher das Novartis-Logo prangte, bestehen bleiben. Wie der Hafenkran Goliath, so soll auch der blaue Riese beim Rhein so etwas wie ein Scharnier zwischen Vergangenheit und Zukunft bilden, erklärt Jacek Rokicki, Head Site Operation/COO der Rhystadt AG.
«Das ist ja ein inventarisiertes Gebäude, und da ist ja eine gewisse Identität mit dem Gebäude und dem Areal verbunden», erklärt Rokicki. Ich denke, dass man aus heutiger Sicht sagen kann, dass es sowohl für uns als auch für die Stadt Basel eine grosse Bedeutung hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Gebäude wegkommt, ist wirklich marginal. Wir verfolgen dieses Ziel nicht. Fast schon Symbolcharakter hat die Tatsache, dass Rokicki sein Büro auch im Hochhaus von Suter + Suter bezogen hat, von wo aus er die beste Übersicht über die Stadt und das Klybeck geniesst: «Ich habe die luxuriöse Situation, dass ich hier im obersten Stockwerk sitzen darf und diese fantastische Aussicht auf die Stadt geniessen kann. Obwohl ich Basel wirklich wie meine Westentasche kenne, ist es so, dass man hier jeden Tag komplett neue Ausblicke geniesst.»
Der Ausblick, auch auf die zukünftige Arbeit, beflügelt Rokicki: «Ich glaube nicht, dass ich nochmals in meinem Leben die Möglichkeit bekommen werde, ein gesamtes Stadtquartier – insbesondere in der Schweiz – mitgestalten zu dürfen … Wir wollen nicht grüne Wiesen verbauen, sondern möchten dort, wo schon Bestehendes ist, in eine Transformation gehen, dafür sind wir hier prädestiniert.»
Auch bei Swiss Life will man bei den ersten Projekten Bestehendes bewahren, so Portfoliomanager Philipp Fürstenberger, der als Basler ebenfalls sehr stolz darauf ist, an diesem neuen Stadtquartier mitzuarbeiten und ihm ein neues Gesicht zu geben. Bei drei Bauten habe man bereits sehr klare Vorstellungen, erklärt Fürstenberger: «Für drei Gebäude haben wir mit der Projektierung der Sanierung begonnen. Beim einen Gebäude handelt es sich um das K-25 neben dem ehemaligen Ciba-Hauptsitz. Ein anderes ist das in den 1930er-Jahren entstandene Laborgebäude K-410. Ein weiteres Gebäude ist das K-26, das ursprünglich als Eisfabrik konzipiert wurde. Diese drei Häuser wollen wir so belassen. Sie bilden nicht nur ein sehr schönes Ensemble, sondern sind für das Klybeck auch identitätsstiftend.»
Bis die ersten Mieter in die sanierten Immobilien einziehen, werde es aber noch ein wenig dauern, führt Fürstenberger aus. Erst müssen nämlich die konkreten Baugesuche ausgearbeitet und eingereicht und muss das Areal für den Wohnungsbau umgezont werden, handelt es sich beim Klybeck doch um eine klassische Industriezone. Doch trotz dieses Umstands, der auch politische Verfahren voraussetzt und deshalb zeitintensiv sein kann, ist Fürstenberger zuversichtlich, dass 2023 hier die ersten neuen Mieter einziehen.
Neben Start-ups aus dem Biotechbereich würde Fürstenberger gerne auch neue Industrien ansiedeln: «Bei der ehemaligen Eisfabrik arbeiten wir an der Idee eines ‹House of Foods›. Im Erdgeschoss hätten wir gerne Gastronomie, beispielsweise eine Mikrobrauerei oder eine Kaffeerösterei, jemand, der Lebensmittel produziert oder veredelt. Die oberen Etagen könnten ebenfalls Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich anziehen, während die obersten Stockwerke Büroräume beherbergen sollen.»
Etwas schneller dürfte es bei der Porte 31 gehen, gleich neben dem Klybeck-Kantine, wo sich vielleicht bald schon Start-ups einmieten können. Auch wenn Fürstenberger mit der Entwicklung des Areals in einem raschen Tempo vorankommen möchte – wichtig ist ihm und Swiss Life, mit Rhystadt und dem Kanton eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, die nicht zuletzt zu einer guten Durchmischung des Quartiers beiträgt und die Menschen, die jetzt schon hier leben, sowie die erhofften rund 10 000 Zuzügler am Entwicklungsprozess teilhaben lässt.
Wichtig für die 10 000 Zuzügler ist natürlich auch eine attraktive Anbindung an das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel. Befragt nach bereits konkreteren Projekten, erklärte Katrin Oser, Projektleiterin im Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt: «Das Konkreteste, was wir jetzt haben und auch forcieren, weil wir darin einen Entwicklungsmotor sehen, ist die Tramverbindung: das neue Tram, das vom Riehenring bis zum zukünftigen Klybeckplatz, wie wir ihn jetzt nennen, gehen soll. Die Eingabe ist bereits erfolgt, deshalb ist damit zu rechnen, dass die zukünftigen Bewohner des Areals auch wirklich eine Tramhaltestelle vor ihrer Haustüre vorfinden werden.»