
Giselle Roman wuchs in Monterrey, Mexiko, auf, wo sie die ganze Last der familiären und gesellschaftlichen Erwartungen an ein traditionell erfolgreiches Leben zu spüren bekam. Jahrelang strebte sie danach, diese Normen zu erfüllen, wurde Ärztin und heiratete sogar. Schliesslich wich das Streben nach einem konventionellen Leben dem überwältigenden inneren Wunsch, ihr wahres Selbst zu verwirklichen.

Als Giselle beschloss, sich zu outen, setzte dieser Prozess sowohl innere als auch äussere Veränderungen in Gang. Sie beschloss, ihre Haare kurz zu schneiden und das zu tragen, was ihr am bequemsten war: «Diese äusseren Veränderungen halfen mir auf meinem Weg zur Selbstakzeptanz, denn wenn ich mich im Spiegel betrachtete und mir die Person, die ich dort sah, gefiel, wurde mir wieder bewusst, dass meine Veränderung von innen heraus geschah und dass sie für mich geschah. Die Haare nach meinem Geschmack zu schneiden, hat mir geholfen, Selbstvertrauen aufzubauen.»

Eine weitere grosse Veränderung in Giselles Leben fand nach einem Karrierewechsel statt: Sie wechselte von ihrer Arbeit als klinische Ärztin in Monterrey zu einer Stelle bei Novartis in Mexiko-Stadt. Ihre Aufgabe ist es, durch die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Ärzten und Patientenorganisationen das Leben der Mexikanerinnen und Mexikaner zu verbessern.

Giselles Mission ist auch persönlich motiviert: «Mein Fokus liegt auf den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Mexiko und auf der ganzen Welt einer der Hauptfaktoren für Morbidität und Sterblichkeit sind. Meine Mutter, mein Vater und meine Grosseltern sind Herz-Kreislauf-Patienten. Ich denke jeden Tag an sie und daran, wie ich ihnen helfen kann. Und wenn ich etwas für sie tun kann, kann ich auch für viele andere Menschen etwas tun.»

Der Schlüssel zur Lösung komplexer Probleme liegt für Giselle bei der Zusammenarbeit und der Schaffung sicherer Räume, in denen unterschiedliche Ideen erörtert werden können: «Wir müssen nach innen und aussen zusammenarbeiten. Zusammenarbeit bedeutet Vielfalt, Integration, und zu erkennen, was wir besser machen können, und um Hilfe zu bitten. Das ist es, was uns zu einem Team macht, und das ist es, was uns als Organisation und als Firma wachsen lässt.»

«Vor fünf Jahren war ich unsichtbar. Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Jetzt bin ich hier, und ich weiss genau, weshalb ich lebe und für wen. Ich bin eine lesbische Frau in einer Führungsrolle. Ich muss das laut aussprechen, denn ich wünsche, jemand hätte mir das vor zehn Jahren gesagt, als ich diese Erfahrung noch nicht hatte.»


