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Dianne Auclair Rocha und Vasilisa Sazonov haben es sich zur Aufgabe gemacht, Novartis mit der Kraft der Empathie und Innovation zum globalen Marktführer für Therapien von Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen (CRM) zu machen, um so vielen Patientinnen und Patienten wie möglich zu einem besseren und längeren Leben zu verhelfen.
Vor uns liegt eine gewaltige Aufgabe. Jährlich sterben rund 18 Millionen Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen – rund 80 Prozent von ihnen vorzeitig. Ebenso versuchen viele Patienten mit seltenen Nierenerkrankungen, mit ihrer Diagnose zurechtzukommen oder sich der Realität einer möglicherweise lebenslangen Dialyse oder einer Nierentransplantation zu stellen.
Auclair Rocha und Sazonov wollen dafür sorgen, dass kein Herz vorschnell versagt und Nierenpatienten nicht mehr isoliert oder allein gelassen werden. Um dies zu erreichen, konzentrieren sie sich nicht nur auf die Markteinführung innovativer Therapien. Sie befassen sich auch mit Strategien im Krankheitsbereich, um einige der schwierigsten Herz-, Nieren- und Stoffwechselprobleme zu lösen. Dazu gehören nicht zuletzt eine frühere Diagnose und rasch erfolgende Interventionen.
Prävention wird grossgeschrieben: Früherkennungsmassnahmen, Aufklärung, Partnerschaften mit führenden Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, Spitälern, Gemeinden und sogar Kirchen sind die Bausteine ihrer Strategie, aber auch die Befähigung der Patientinnen und Patienten, ihre Bedürfnisse im Hinblick auf eine rechtzeitige Behandlung einzubringen. Mit diesem Ansatz wollen sie die Zugangsbarrieren für Millionen von Patienten weltweit abbauen, die Schwierigkeiten haben, rechtzeitig eine angemessene Behandlung zu erhalten.
Herz Check-ups sind Teil der Präventionsstrategie von Novartis.
Dianne Auclair Rocha leitet das Therapiegebiet Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen (CRM-Therapie) in den USA, während ihre Kollegin Vasilisa Sazonov für alle anderen Weltregionen zuständig ist. Diese operative Aufteilung wurde 2023 eingeführt, als Novartis ihre Strategie hin zu einem rein auf Arzneimittel spezialisierten Unternehmen vorantrieb, und spiegelt die Bemühungen wider, sich stärker auf wichtige Handelsregionen zu konzentrieren.
Obwohl sie sich beide der enormen Herausforderungen bewusst sind, scheuen sich Auclair Rocha und Sazonov nicht davor, zu tun, was nötig ist, um die Situation vor Ort zu meistern und zu verbessern. Beide sind ausgebildete Führungskräfte aus der Wirtschaft und haben ihren Weg in die pharmazeutische Industrie gefunden, weil einige ihrer engen Familienmitglieder mit ernsthaften Erkrankungen zu kämpfen hatten.
Zwar waren die Familienmitglieder von Sazonov Ingenieure und Buchhalter, aber ihr Wunsch nach einer Ausbildung in der Pharmaindustrie war dennoch eng mit ihrer familiären Situation verknüpft: «Die Krankheit meines Vaters hat mich nach Abschluss des Gymnasiums bewogen, Pharmazie zu studieren. Dazu kam, dass unser Nachbar Apotheker war», erzählt Sazonov.
Schon früh war Sazonov von der Pharmakoökonomie fasziniert und absolvierte ein Praktikum in den Vereinigten Staaten, um mehr über rationale Entscheidungsfindung und Versicherungsmathematik zu erfahren, Bereiche, die sie später während ihres Doktoratsstudiums vertiefte. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ein längerer Aufenthalt in Südafrika, wo sie an einem HIV-Projekt mitarbeitete: «Eine der prägendsten Erfahrungen war mein Praktikum in Johannesburg. Während meiner Arbeit dort in einem Spital habe ich aus erster Hand die gravierenden Unterschiede beim Zugang zur Gesundheitsfürsorge und hinsichtlich ihrer Qualität miterlebt. Dies hat mir klar vor Augen geführt, welche globalen Ungleichheiten im Gesundheitswesen herrschen und wie entscheidend die Rolle der Pharmaindustrie bei der Überwindung dieser Ungleichheiten sein kann.»
Auclair Rocha hingegen wuchs in einer Familie von Militärangehörigen, Hochschul- und semiprofessionellen Sportlern auf, was ihre Ambitionen beeinflusste: «Unser Vater, ein ranghoher Offizier der US-Luftwaffe, hat uns von klein auf zu Führungspersönlichkeiten erzogen. Er betonte, wie wichtig es ist, nicht nur Mitglied eines Teams zu sein, sondern zu motivieren, Massstäbe zu setzen und die anderen Teammitglieder voranzubringen.»
Während ihres Studiums hatte Auclair Rocha die Möglichkeit, ein Praktikum bei SmithKline Beecham zu absolvieren: «Ich war schnell von der pharmazeutischen Umgebung fasziniert und der damit verbundenen Möglichkeit, Patienten zu helfen. Nachdem ich bei einer Produkteinführung dabei war, interessierte ich mich dafür, inwieweit die Branche die Gesundheit beeinflusst. Dies führte mich zu einer postgraduellen Karriere in der Pharmaindustrie bei Johnson & Johnson, wo ich im Vertrieb begann.»
Dass einige ihrer Familienmitglieder von chronischen und seltenen lebensbedrohlichen Krankheiten betroffen waren, bestärkte sie in ihrem Entscheid, in der Pharmabranche zu bleiben: «Meine persönlichen und beruflichen Erfahrungen gingen ineinander über, vor allem, als ich die Auswirkungen chronischer Erkrankungen in meiner Familie sah, einschliesslich vorzeitiger Herzinfarkte bei meinen Geschwistern. Ich war umso wilder entschlossen, die Versorgung der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. Bei Leadership geht es für mich um Ziel und Wirkung. Ich unterstütze mein Team dabei, Lösungen für die Gesundheitsfürsorge zu entwickeln, die tatsächlich etwas bewirken», fasst Auclair Rocha ihre Motivation für das Engagement in der Gesundheitsfürsorge zusammen.

Dianne Auclair Rocha
Leiterin des Therapiegebiets Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen für die USA.
Frau Auclair Rocha, können Sie erläutern, welchen Ansatz Novartis zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit verfolgt, insbesondere in Anbetracht der Komplexität des Themas?
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit, ziehen jedoch nicht gleich viel Aufmerksamkeit auf sich wie Krebs, Diabetes oder chronische Atemwegserkrankungen. Leider gibt es im heutigen Gesundheitssystem keine Anreize, medizinische Innovationen in grossem Massstab umzusetzen. Wir wollen dies ändern, und zwar indem wir die Gesundheitspolitik beeinflussen und die Qualitätskontrollmetriken verbessern, damit die kardiovaskuläre Gesundheit einen höheren Stellenwert erhält. Zu den wichtigsten Prioritäten gehört es, die Wiedereinführung und Umsetzung von Qualitätskontrollkennzahlen für LDL-Cholesterin zu beschleunigen. Gleichzeitig sind Kennzahlen für Lp(a)-Spiegel festzulegen. Ebenso wichtig sind die Entwicklung und Akzeptanz nichttraditioneller Strategien zur Evidenzgenerierung, die klinische Leitlinien und Entscheidungen der Gesundheitsbehörden vorantreiben und so zu einer schnelleren Umsetzung von Innovationen und besseren Ergebnissen bei den Patientinnen und Patienten führen. Zudem müssen zielgerichtete Änderungen der IRA-Richtlinien gefördert werden, um sicherzustellen, dass Innovationen die Weichen für künftige Veränderungen stellen.
Wie schaffen Sie es, Ihre Teams angesichts dieser Herausforderungen anhaltend zu motivieren und auf die Ziele von Novartis auszurichten?
Klarheit und Fokus sind das A und O. Wir investieren viel Zeit, um externe Herausforderungen und Chancen zu verstehen, insbesondere aus der Sicht der Gesundheitsfürsorge und der direkt Betroffenen. Dies hilft uns, unsere internen Ziele auf die Marktbedürfnisse auszurichten. So stellen wir sicher, dass unsere Teams nicht nur informiert, sondern dank klaren und wirkungsvollen Zielen auch engagiert und motiviert sind.

Vaska Sazonov
Leiterin des Therapiegebiets Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen weltweit.
Frau Sazonov, wie würden Sie die Herausforderungen aus Ihrer Sicht beschreiben, wenn Sie Schlüsselmärkte anvisieren, etwa Deutschland, China oder Japan?
Der Markt für kardiovaskuläre Erkrankungen ist hart umkämpft und komplex. Dies ist unter anderem auf eine lange Geschichte bedeutender medizinischer Fortschritte und die hohen Erwartungen an erfolgreiche Medikamente in der Vergangenheit zurückzuführen. Selbst hochinnovative Therapien sind trotz oft erheblicher Investitionen zeitintensiv, weil die Einführung neuer Therapien viel Vorarbeit erfordert.
Können Sie diesen Punkt näher erläutern?
Wir stehen vor der Herausforderung, das Verständnis und die Akzeptanz des Marktes für neue Behandlungsmethoden mitzugestalten. Dabei geht es etwa darum, nicht nur den klinischen Nutzen aufzuzeigen, sondern Behandlungen auch erfolgreich in die Gesundheitsfürsorge zu integrieren. Unsere lange und erfolgreiche Geschichte im kardiovaskulären Bereich, in dem Novartis und ihre Vorgängerunternehmen seit fast einem Jahrhundert tätig sind, unterstreicht die Notwendigkeit eines strukturierten Ansatzes, um Marktdynamik, Patientenbedürfnisse und effektive Kommunikationsstrategien so zu erfassen, dass neue Therapien ihr Potenzial tatsächlich entfalten können.
Wie wenden Sie diese Erkenntnisse auf Ihre aktuellen Strategien bei Novartis an?
Mein Ansatz ist vielschichtig. Er schliesst den Aufbau robuster interner und externer Kommunikationskanäle, Verständnis für die Perspektive der Patienten und der Gesundheitsdienstleister sowie kontinuierliches Lernen aus früheren Erfahrungen ein. Diese ganzheitliche Strategie trägt dazu bei, fundierte Entscheidungen darüber zu treffen, wo Ressourcen einzusetzen und wie unsere Produkte zu positionieren sind, um Marktträgheit zu überwinden und letztlich bessere Ergebnisse in der Gesundheitsfürsorge zu erzielen.
Frau Auclair Rocha, ein zentrales Problem im Therapiegebiet der kardiovaskulären Erkrankungen besteht darin, dass viele innovative Therapien nicht alle Betroffenen erreichen, die von ihnen profitieren könnten. Wie gehen Sie dieses Problem an?
Unsere Branche hat zahlreiche innovative und hochwirksame Behandlungen – und erreicht dennoch bloss ein Drittel derer, die davon profitieren könnten. Wir stemmen uns diesem besorgniserregenden Missverhältnis entgegen, indem wir auf Aufklärungsarbeit bei den Leistungserbringern der Gesundheitsfürsorge setzen und die immense Bedeutung einer frühzeitigen Intervention hervorheben. Zudem verfeinern wir unsere Marktstrategien, um den Patientenzugang und die Therapieakzeptanz zu verbessern.
Frau Sazonov, wenn Sie in die Zukunft blicken, wo sehen Sie die grössten Chancen oder Veränderungen für die Pharmaindustrie?
Die Zukunft liegt in der Personalisierung und in der Präzisionsmedizin. Die Möglichkeit, Behandlungen auf individuelle Patientenprofile zuzuschneiden, wird die Art und Weise, wie wir Krankheiten behandeln, revolutionieren. Dies gilt insbesondere für chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Die digitale Gesundheit wird ebenfalls für Veränderungen in der Patientenbeteiligung und im Behandlungsmanagement sorgen. Zudem wird sie neue Möglichkeiten bieten, Patienten aus der Ferne und in Echtzeit zu betreuen.
Und wie sieht es mit den Herausforderungen aus?
Die alternde Weltbevölkerung stellt die Gesundheitsfürsorge vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere im Umgang mit chronischen Erkrankungen wie kardiovaskulären Erkrankungen, die bei älteren Erwachsenen verbreitet sind. Novartis konzentriert sich auf die Entwicklung innovativer Therapien, die diesen Herausforderungen begegnen und sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe verbessern.
Wie fördert Novartis die Innovation im Unternehmen, um diese künftigen Herausforderungen zu meistern?
Innovation bei Novartis ist das Ergebnis einer Kombination aus modernster wissenschaftlicher Forschung, strategischen Kooperationen und einem tiefen Verständnis für die Patientenbedürfnisse. Wir pflegen eine Kultur, die innovatives Denken und Wertschöpfung vom Labor bis zum Patientenbett fördert. Indem wir das Wissen der Patientinnen und Patienten in unsere Entwicklungsprozesse einfliessen lassen, stellen wir sicher, dass unsere Innovationen nicht nur effizient, sondern auch auf reale Bedürfnisse ausgerichtet sind.

Dianne Auclair Rocha und Vasilisa Sazonov.
Welchen Rat würden Sie als erfahrene Führungskräfte jenen Studierenden geben, die sich für einen Einstieg in die Pharmaindustrie interessieren?
Vasilisa Sazonov: Aus meiner Sicht geht es darum, sich der Komplexität der Branche zu stellen und sie als Chance für kontinuierliches Lernen zu sehen, aber auch als Möglichkeit, etwas zu bewirken. Entscheidend sind der Aufbau eines starken beruflichen Netzwerks, Offenheit für neue Ideen und die Entwicklung effektiver Kommunikationsfähigkeiten. Unser Ziel ist letztlich immer die Verbesserung der Patientenergebnisse. Dies erfordert nicht nur wissenschaftliches Fachwissen, sondern auch ein tiefes Verständnis der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge rund um die Gesundheitsfürsorge.
Dianne Auclair Rocha: Meine Herangehensweise ist zutiefst geprägt von meiner Familiengeschichte mit chronischen Erkrankungen und plötzlichen medizinischen Ereignissen. Diese persönlichen Aspekte haben in mir den Wunsch geweckt, einen positiven Beitrag zur Gesundheitsfürsorge und zur Verbesserung der Patientenergebnisse zu leisten, also die Kundenperspektive in den Vordergrund zu stellen. In diesem Bereich führend zu sein, bedeutet, etwas zu bewegen, und das war einer der Leitgedanken meiner ganzen bisherigen Laufbahn. Das ist es auch, was ich jüngeren Menschen mitgeben möchte: dass sie unbedingt eine Karriere verfolgen, die ihnen am Herzen liegt und für die sie eine persönliche Bestimmung fühlen.


