Die Initiative für ein neues Entwicklungsprojekt kam überraschenderweise aus China. 1989 traten chinesische Behörden an Ciba-Geigy heran und schlugen die gemeinsame Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Malaria tropica vor, die gefährlichste Form der Malariaerkrankungen. Entwicklungskandidat sollte ein Kombinationspräparat aus einem synthetischen Wirkstoff und einem Derivat des Pflanzenmetabolits Artemisinin werden, der aus der chinesischen Arzneipflanze Artemisia annua gewonnen wird. 1994 unterzeichnete Ciba einen Kooperationsvertrag mit verschiedenen chinesischen Instituten, der die gemeinsame Entwicklung des neuen Medikaments festlegte. Nach umfangreichen klinischen Studien wurde das neue Malariamedikament unter den Handelsnamen Coartem®/Riamet® zugelassen und wurde im Jahr 2001 in die «Essential Medicines List» der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.
Auch in den letzten Jahren führte Novartis immer wieder Naturstoffe und ihre chemischen Derivate in die klinische Forschung ein, um neuartige Therapieformen zu entwickeln.
So wird gegenwärtig ein Antibiotikum in der Behandlung von Darminfektionen mit dem Bakterium Chlostridium difficile untersucht, und die Arbeiten mit einem neuartigen Naturstoff fokussieren sich auf Behandlungsmöglichkeiten von entzündlichen Hauterkrankungen. In der Identifizierung von innovativen Ansätzen für die Therapie der Hepatitis C führte ein Naturstoff ein internationales Forscherteam von Novartis und der Universität Kyoto auf eine vollkommen überraschende Fährte. Eine Proteinfamilie, die Voraussetzung für die Wirkung des Cyclosporins ist, wird auch vom Hepatitisvirus benötigt, um sich zu vermehren. Cyclosporin und seine nichtimmunsuppressiven Derivate verhindern die Rekrutierung dieser Proteine und unterbinden somit die Replikation des Viruspartikels. Novartis führt derzeit verschiedene klinische Studien durch, ob der Wirkmechanismus auch bei Patienten einen therapeutischen Effekt zeigt.
Forschungsarbeiten des Basler Friedrich-Miescher-Instituts und der Novartis Onkologieforschung mit Everolimus legten den Schluss nahe, dass der 2003 für Novartis als Immunsuppressivum zugelassene Wirkstoff auch in der Krebstherapie wirksam sein könnte. Diese Untersuchungen griffen frühere Resultate des kanadischen Unternehmens Ayerst auf, das zwar die Antitumorwirkung der Substanzklasse publiziert hatte, die Forschungsarbeiten daran aber 1982 für sechs Jahre einstellte. Die von Novartis initiierten klinischen Untersuchungen bestätigten die Wirksamkeit von Everolimus, das 2011 und 2012 als Afinitor® die ersten Zulassungen in der Behandlung des Nierenzell- und Pankreaskarzinoms sowie in der Therapie des fortgeschrittenen Brustkrebses erhielt.
Die Moleküle aus Pflanzen oder Mikroorganismen werden bis heute zur Entwicklung neuer Therapien in der Medizin erforscht. Ihre ungewöhnlichen chemischen Strukturen führen zur Entdeckung und chemischen Untersuchung von neuen Wirkstoffklassen. Die Aufklärung ihrer Wirkmechanismen eröffnete Einblicke in Triebfedern von Erkrankungen und ihrer möglichen Medikationen. Novartis hat dieses Forschungsgebiet in den vergangenen Jahren gezielt gestärkt. Durch die Integration neuester Technologien und Ansätze aus der molekularen Genetik sowie der analytischen und präparativen Chemie wird dieses Forschungsgebiet sein grosses Innovationspotenzial in der Wirkstoffsuche der Zukunft einbringen können.
