Ihren acht Monate alten Sohn Wonder fest auf den Rücken gebunden, erschien Naomi am Treffpunkt, um uns vor einem kleinen Hotel zu begrüssen, wo die britische, amerikanische und ghanaische Flagge in der milden Morgenbrise unter einem tiefblauen Himmel wehten. Vor unseren Augen breitete sich eine üppige, mit kleinen Siedlungen übersäte und von ockerfarbenen Linien durchzogene Landschaft aus. Wir hatten vereinbart, Naomi am Rande der Metropolregion Kumasi zu treffen, damit sie uns den Weg zu ihrem Haus in einer der vielen undurchdringlichen Siedlungen dieses Ballungsraums mit mehr als 4 Millionen Einwohnern im südlichen Zentralghana zeigen konnte. Kein Navigationssystem und kein Kompass der Welt hätte uns den Weg über die grösstenteils unmarkierten Feldwege weisen können.
Mit seinem üppigen Garten aus Palmen, Maniokpflanzen und Obstbäumen, umgeben von einer steinernen Gartenmauer, die von weitem wie ein Schachbrett aussah, wirkte Naomis Haus stattlich. Aus der vollen Kirche um die Ecke waren an diesem Karfreitagmorgen die Pilger zu hören, die aus voller Kehle sangen.
Naomi und ihr Sohn Wonder vor ihrem Haus.
Als wir näher kamen und das Gebäude betraten, stellten wir allerdings fest, dass das Haus weder Glasfenster noch eine Isolierung unter dem geräumigen Blechdach hatte. Wasserpfützen sammelten sich auf dem Küchenboden, der wie im Rest des Gebäudes aus gestampfter roter Erde bestand, die nach jedem Gewitter feucht wurde: ein idealer Nährboden für Malaria übertragende Mücken. Wonders Geschichte Naomi, Mutter von fünf Kindern, kennt sich mit Malaria nur allzu gut aus. «Malaria ist eine schreckliche Krankheit», seufzte sie, als wir uns in der kleinen Eingangshalle ihres Hauses niederliessen, von der aus man in die Küche, das Badezimmer und die Schlafzimmer gelangte. «Wenn ich daran erkranke, fühle ich mich schwach und kann weder essen noch schlafen.» Mit ihren 38 Jahren hat sie selbst wiederholt an der Krankheit gelitten. Doch nie so schlimm wie ihr ältester Sohn, der in den letzten Jahren fast alle drei Monate an Malaria erkrankte, was häufige Arztvisiten und gelegentliche Hospitalisierungen erforderte. Doch selbst sein Fall war nicht so kritisch wie der von Wonder, der erst wenige Monate alt war, als er sich zum ersten Mal mit der Krankheit infizierte. Wonder! Einen passenderen Namen für den kleinen Jungen mit den grossen Augen, der mich mit einer Mischung aus Neugier und Angst ansah, als ich mit seiner Mutter sprach, hätte man nicht finden können. Wonder war ein zerbrechliches kleines Baby, das von der ersten Minute seines Lebens an auf der Neugeborenenstation des Methodist Hospital in Ankaase intensivmedizinisch versorgt werden musste. Sein Arzt, Emmanuel Aidoo, erzählt, dass Wonder fast zwei Monate lang intensive Pflege benötigte, bevor er nach Hause entlassen werden konnte. Als er nur wenige Wochen später mit hohem Fieber wieder eingeliefert wurde, vermutete Dr. Aidoo zunächst, der Junge leide an einer bakteriellen Infektion.
Er behandelte Wonder gemäss Standardverfahren mit Antibiotika. Parallel dazu führten Dr. Aidoo und sein Team auch eine routinemässige Malariauntersuchung durch. So stellten sie fest, dass Wonder sich mit der Krankheit angesteckt hatte und eine sehr hohe Malariaparasitenzahl aufwies. Angesichts seines insgesamt geschwächten Zustands war sein Leben also potenziell in Gefahr. Branchenübergreifende Kettenreaktion «Wegen der hohen Parasitenzahl mussten wir schnell und entschlossen handeln. Angesichts der besonderen Situation von Wonder hoffte ich jedoch, dass wir nach der intravenösen Malariabehandlung ein für ihn geeignetes orales Malariamedikament finden würden», führt Dr. Aidoo aus. Gemäss der medizinischen Standardpraxis werden Säuglinge mit schwerer Malaria wie Wonder in der Regel zunächst intravenös behandelt und anschliessend auf orale Malariamittel umgestellt, um die Therapie abzuschliessen. In Wonders Fall stellte dies ein Problem dar, da keine für sein geringes Gewicht passende Formulierung vorlag, um die Therapie oral fortzusetzen. Aufgrund der Dringlichkeit, aber auch der heiklen Situation des Patienten musste der Arzt nach einer anderen Möglichkeit suchen.
Dr. Emanuel Aidoo. Seine schnelle Reaktion trug entscheidend zur raschen Genesung von Wonder bei.
Er hatte gerade erst einen Artikel gelesen, wonach Novartis und die Stiftung Medicines for Malaria Venture eine neue Behandlung für Neugeborene und Säuglinge mit einem Gewicht von 2 bis 5 Kilogramm entwickelt hatten, die also speziell auf Babys dieser Gewichtsgruppe zugeschnitten war. Dies würde es ihm ermöglichen, das Medikament zu verabreichen, ohne sich Gedanken über die Dosierung machen zu müssen. Er wandte sich an einen Kollegen, der Novartis kontaktierte, um Zugang zu diesem Medikament zu erhalten. Was folgte, war ein Notfallverfahren, bei dem Mitarbeiter von Novartis in Kumasi innerhalb weniger Stunden Kontakt zum Krankenhaus aufnahmen, um Dr. Aidoo bei seinen Bemühungen zu unterstützen, Wonder zu helfen.
Im Mittelpunkt dieser rasanten Aktion stand Isaac Amponsah, ein in Kumasi lebender Pharmareferent von Novartis. Er ist mit der lokalen Gesundheitsinfrastruktur bestens vertraut und hat das ganze Land bereist. «Meine erste Reaktion war: ‹Wow! Dieses Baby braucht schnell Hilfe›», erinnert er sich. Fast instinktiv koordinierte Amponsah sofort alles mit einer Apotheke, die das Medikament vorrätig hatte, und veranlasste die Lieferung an das Krankenhaus. Anschliessend reiste er selbst nach Ankaase, um sich mit dem Arzt abzustimmen, den Patienten zu besuchen und die Einleitung der Behandlung zu unterstützen. Für Naomi Nartey und ihren Sohn war die schnelle Reaktion entscheidend: «Ich hatte grosse Angst, als mein Sohn an Malaria erkrankte, da er ja mit Untergewicht zur Welt gekommen war. Ich bin enorm dankbar, dass Dr. Aidoo eingegriffen, die richtigen Leute kontaktiert und dafür gesorgt hat, dass Wonder die richtigen Medikamente bekam.» Nach wie vor hohe Krankheitslast Auch für den Pharmareferenten war die Erfahrung sehr bereichernd. Er konnte nicht nur dazu beitragen, dass Wonder die Medikamente rechtzeitig erhielt. Der Vorfall machte ihm auch bewusst, dass die Zusammenarbeit zwischen Apotheken, Krankenhäusern und dem privaten Sektor nicht nur eine rein geschäftliche Beziehung ist, sondern auf persönlichem Vertrauen, Engagement und Entschlossenheit beruht.
Novartis-Manager Johnson Obour im Gespräch mit dem Krankenhausapotheker Dr. Yaw Osei-Gyamfi, Dr. Aidoo und Isaac Amponsah.
«Es war sehr befriedigend zu wissen, dass dieses Baby etwas Sicheres und Spezifisches gegen seine Erkrankung bekommen konnte», sagt Isaac Amponsah. «Babys können nicht für sich selbst einstehen, aber jetzt steht für sie die Behandlung zur Verfügung, die sie brauchen. Es geht nicht nur darum, ein Produkt zu liefern; es geht darum, sicherzustellen, dass alle Babys behandelt werden können.» Der Bedarf an einer solchen Option ist dringend. Laut dem Welt-Malaria-Bericht 2025 der Weltgesundheitsorganisation gehören Babys und Kleinkinder weltweit nach wie vor zu den am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen forderte Malaria 2024 rund 610 000 Todesfälle weltweit, wobei sich die meisten davon auf Subsahara-Afrika konzentrierten. Rund 75 Prozent dieser Todesfälle betrafen Kinder unter fünf Jahren, deren Immunsystem noch nicht voll entwickelt ist und die daher besonders gefährdet sind. Innovations- und Zusammenarbeitsbedarf Vor diesem Hintergrund sind medizinische Innovationen für diese Patientengruppe von grösster Bedeutung, unterstreicht Dr. Aidoo und betont, dass die neue Malariabehandlung die klinische Praxis im Alltag direkt verbessert, weil sie die Behandlung «sicherer, einfacher und zuverlässiger» macht, insbesondere in Notfällen. «Es war einer dieser Momente, in denen alles zusammenpasste», sagt Dr. Aidoo. «Wir konnten rechtzeitig das richtige Medikament beschaffen und erfolgreich intervenieren. Vorher mussten wir jeweils Tabletten oder Suspensionen für ältere Kinder zerkleinern, um Babys wie Wonder zu behandeln. Jetzt haben wir ein Medikament, das speziell für sie entwickelt wurde.» Doch die Innovation hört hier nicht auf. Sowohl für Dr. Aidoo als auch für den in Kumasi ansässigen Novartis-Manager Johnson Obour, der sich im vorliegenden Fall eng mit Isaac Amponsah abgestimmt hatte, ist die Zusammenarbeit ebenso wichtig wie das Medikament selbst: Noch die beste medizinische Lösung verliert ihren Nutzen, wenn sie die Patienten nicht rechtzeitig erreicht. «Zwischen Innovation und Zugang besteht eine Kluft», unterstreicht Johnson Obour. «Wir müssen sie überbrücken, damit die Patienten ihre Medikamente erhalten und die Welt wirklich von dem profitieren kann, was wir im Gesundheitswesen schaffen.» Neben der Durchführung von Aufklärungskampagnen und der Kontaktaufnahme mit Ärzten und Apothekern in ganz Subsahara-Afrika, wie es bei Dr. Aidoo der Fall war, ist der Aufbau von Vertrauen und das Schaffen tragfähiger Beziehungen zu Partnern im Gesundheitswesen ein grundlegender Baustein, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu fördern, betont Obour.
Dr. Yaw Osei-Gyamfi, Chef-Apotheker am Ankaase Methodist Hospital, stimmt dem zu und ist überzeugt, die schnelle Systemeingliederung der neuen Formulierung und Dosierungsstärke sei auch ein Zeichen für den positiven Wandel im ghanaischen Gesundheitssystem, wo Kapazitäten, lokale Produktion und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit entscheidend dazu beigetragen hätten, den Zugang zu besseren Behandlungen zu verbessern. «Ghana lehnt sich nicht zurück. Es geschieht viel, um die pharmazeutische Versorgung und die lokalen Kapazitäten zu stärken», sagt Osei-Gyamfi. Doch er sieht noch mehr Potenzial für Verbesserungen: «Wir sind offen für mehr Zusammenarbeit. Intensivere Forschung und Partnerschaften würden es uns ermöglichen, uns weiter zu verbessern», unterstreicht er.
Dr. Yaw Osei-Gyamfi sagt, dass Zusammenarbeit und Partnerschaften dem Methodist Hospital in Ankaase helfen werden, Innovationen und den Zugang zu Behandlungen zu beschleunigen.
Anhaltende infrastrukturelle Herausforderungen Trotz des wachsenden Optimismus, ausgelöst durch die schnelle Genesung von Wonder, der heute wie ein kräftiger und gesunder Junge aussieht, sind die Hindernisse bei der Bekämpfung von Malaria nach wie vor gross. Dies liegt nicht nur an Innovations- und Zugangsbarrieren, sondern auch an infrastrukturellen Herausforderungen, die nicht einfach zu beheben sind. In einer 2024 im Malaria Journal veröffentlichten Studie fanden Forscher unter der Leitung von Stephen Opoku Afriyie vom Institut für Theoretische und Angewandte Biologie an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi heraus, dass schlechte Wohnverhältnisse eine wichtige Rolle bei der Malariaübertragung spielen.
Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass «Bemühungen zur Verbesserung der Wohnverhältnisse, wie die Installation von Dächern und Decken, Fliegengittern an Türen und die Beseitigung potenzieller Mückenbrutstätten, gefördert werden sollten», um zur Malaria-Eindämmung sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten beizutragen. Später am Abend, nach unserem Treffen mit Naomi und ihrem Sohn, als ein Gewitter über Kumasi hinwegfegte und alles in einen dichten Regenschleier hüllte, dachte ich erneut über die Lebensbedingungen nach, unter denen sie mit ihrer Familie lebt. Zwar waren einige Moskitonetze angebracht worden, doch ihr Haus hatte bloss eine Tür aus Drahtgeflecht, bedeckt mit einem dünnen Vorhang. Die Wasserpfützen, die mir am Morgen aufgefallen waren, wurden vermutlich gerade immer grösser, während der Regen durch das Dach tropfte und Wasser von der Strasse her immer weiter hereinströmte. Angesichts dieser Situation wurde mir klar, dass der Kampf gegen Malaria weitergehen würde. Aber ich war auch überzeugt, dass es noch viele weitere Menschen wie Emmanuel Aidoo, Yaw Osei-Gyamfi, Isaac Amponsah und Johnson Obour gibt, die sich weiterhin dafür einsetzen, Lösungen für einige der drängendsten Herausforderungen zu finden – sei es im Bereich der Wohninfrastruktur, der medizinischen Innovation oder des Zugangs zur Gesundheitsversorgung. Wonder ist, denke ich, der lebende Beweis dafür, dass solcher Fortschritt kein fernes Ziel ist, sondern ein erreichbarer Meilenstein auf einem realistischen Zeitplan.
Menschen Eine massgeschneiderte Malariabehandlung für Neugeborene.
Wonders Rettung Im südlichen Zentralghana, wo Malaria nach wie vor eine ständige Bedrohung darstellt, schwebte Wonders Leben in der Schwebe, bis sich eine Gruppe entschlossener Menschen zusammenschloss, um dem Baby die weltweit erste massgeschneiderte Malariabehandlung für Neugeborene und Kleinkinder zukommen zu lassen. Text von Goran Mijuk, Fotos von Nana Kofi Acquah, Videos von Ernest Ankomah.
Luftaufnahme der Vorstadtlandschaft von Kumasi, einem Ballungsraum mit rund 4 Millionen Einwohnern im südlichen Zentral-Ghana.
Die Strassen- und Wohnbebauung stellt in der Region eine grosse Herausforderung dar.
Eingang des Methodist Hospital in Ankaase. Das Krankenhaus ist ein wichtiges Gesundheitszentrum für die Region und versorgt Tausende von Patienten.
Wartezimmer der Krankenhausapotheke im Methodist Hospital in Ankaase.
Der Pharmareferent Isaac Amponsah wandte sich an das Methodist Hospital, um Wonder zeitnah Zugang zu der Malariabehandlung zu verschaffen.
Die Lebendigkeit von Kumasi zeigt sich am deutlichsten in der historischen Innenstadt, wo sich offene Märkte und eine Vielzahl von Geschäften befinden.
Die Wohninfrastruktur bleibt eine Herausforderung im südlichen Zentral-Ghana, wo vielen Gebäuden Strom, der Zugang zu einem zuverlässigen Abwassersystem oder Schutz vor Malaria-Mücken fehlt.
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