Durch Fenster in der weitläufigen Eingangshalle sieht man, wie die Mitarbeitenden chemische Verbindungen aus der Substanzbibliothek an Wissenschaftler in der ganzen Welt verschicken oder für Testreihen im eigenen Gebäude aufbereiten.
Diese Transparenz, die den eigentlichen Charakter des Gebäudes ausmacht, ist ein zentraler Aspekt des Architekturkonzepts. «Wir haben nichts zu verstecken», sagt Sylvain Cottens dazu, «im Gegenteil, wir sind stolz auf die Arbeit, die hier im Gebäude geleistet wird. Das dürfen auch die Besucher gerne sehen.»
Welche Vorteile das Gebäudekonzept von Rahul Mehrotra für die Zusammenarbeit hat, lässt sich am besten anhand eines konkreten Beispiels beschreiben: Eines der Forscherteams hat sich das Ziel gesetzt, die zelleigenen Mechanismen zum Abbau von krebsauslösenden Proteinen zu nutzen. Dieser Ansatz hätte das Potenzial, einen grundsätzlich neuen Zugang zur Krebstherapie zu eröffnen, denn bisherige Ansätze zielten nur darauf ab, diese krebsauslösenden Proteine in ihrer Funktion zu hemmen.
Die Forschergruppe besteht aus Vertretern verschiedener Bereiche, die in unterschiedlichen Gebäuden arbeiten: Novartis Onkologie (Klybeck-Areal), Friedrich Miescher Institute (Rosental), Global Discovery Chemistry (GDC, Virchow 16) und das Center for Proteomic Chemistry (CPC, Virchow 16). Anstelle einer räumlichen Trennung nach Funktionen, wie sie am vorherigen Standort auf zehn verschiedenen Stockwerken praktiziert wurde, sitzen die Teammitglieder von CPC und GDC nun an benachbarten Schreibtischen. So können Experten für biologische Tests, Strukturbiologie und Medizinalchemie Fragen oder neue Ergebnisse direkt miteinander diskutieren, ohne dass sie auf die nächste Projektsitzung warten müssten.
Das gleiche Prinzip gilt für Labormitarbeitende, die in den Grossraumlabors von Virchow 16 an diesem Forschungsprojekt beteiligt sind. Sie können Erkenntnisse, die sie beispielsweise bei der Reinigung, bei der Kristallisation oder beim Testen von Proteinen gewonnen haben, schnell und einfach miteinander besprechen. Auch in den zahlreichen Aufenthaltszonen, wo die Mitarbeitenden spontan aufeinander treffen, werden Ideen häufiger als früher ausgetauscht.